Um Deutschland gefährliche Güter transportieren zu dürfen, muss das Fahrpersonal im Vorfeld entsprechend geschult sein. Daher dürfen nur Personen mit einem sogenannten ADR Schein bei einem Gefahrentransport hinter dem Steuer Platz nehmen. Wir erklären, was die ADR-Bescheinigung genau ist, wie man sie bekommt und welche Kosten anfallen.
Was ist der ADR Schein?
Die ADR Bescheinung zieht ihrem Namen aus der dem Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (Originalname Accord relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route oder kurz ADR), dem zufolge nur Personen mit einer vorherigen Schulung gefährliche Güter transportieren dürfen. Eine solche Gefahrgutschulung umfasst wohlgemerkt nicht nur Unterricht, sondern wird auch mit einer Prüfung abgeschlossen. Nur wer diese besteht, bekommt am Ende seinen Schein ausgestellt.
Voraussetzungen für den ADR Schein
Um den ADR-Schein – also die Erlaubnis zum gewerblichen Transport von Gefahrgut – zu erwerben, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst ist ein gültiger Führerschein der Klasse B (für leichte Fahrzeuge) oder Klasse C/CE (für LKW) erforderlich. Wer Gefahrgut gewerblich mit dem LKW transportieren möchte, benötigt zusätzlich die beschleunigte Grundqualifikation für Berufskraftfahrer, auch bekannt als IHK-Prüfung LKW. Diese stellt sicher, dass Fahrer über das notwendige berufliche Fachwissen verfügen. Erst mit dieser Grundqualifikation ist die Teilnahme an der ADR-Schulung und die anschließende Prüfung sinnvoll und rechtlich zulässig.
Mit dem ADR Basiskurs auf die Prüfung vorbereiten
Die Prüfung für den Gefahrengutschein wird von der Industrie- und Handelskammer durchgeführt. Für den Kurs zuvor sind dagegen externe Anbieter verantwortlich. Wichtig ist hier, dass du auch einen Kurs belegst, der von der IHK anerkannt ist, andernfalls wirst du nicht für die Prüfung zugelassen. Typischerweise haben die IHK-Standorte in den verschiedenen Städten aber eine Liste, in der man alle zugelassenen Kursanbieter findet. Unter den Anbietern finden sich oft lokale Fahrschulen aber auch die Dekra oder der TÜV.
Wie lang der Kurs dauert, ist immer auch etwas abhängig von den jeweiligen Kursanbietern. Generell schreibt die IHK vor, dass der ADR Basiskurs mindestens 18 theoretische und eine praktische Unterrichtseinheit umfassen muss. Jede Unterrichtseinheit hat dabei eine Länge von mindestens 45 Minuten. In den meisten Fällen kann ein Basiskurs also innerhalb von drei Tagen abgehandelt werden. Die Auffrischungskurse, an denen man alle fünf Jahre teilnehmen muss, sind noch etwas kürzer. Hier schreibt das IHK acht theoretische und vier praktische Unterrichtseinheiten vor.
Die Inhalte im ADR Kurs
In den ADR Kursen werden Teilnehmer mit allen Themen rund um den Gefahrentransport vertraut gemacht. Neben der tatsächlichen Durchführung geht es unter anderem auch um die Dokumentation sowie rechtliche Fragen. Hier einmal ein Überblick über die verschiedenen Themenbereiche:
- Generelle Gefahrengutvorschriften
- Eigenschaften von gefährlichen Beförderungsstoffen
- Begleit- und Beförderungspapiere sowie deren Dokumentation
- Fahrzeug- und Beförderungsarten
- Kennzeichnung und orangefarbene Tafeln
- Die Durchführung der Beförderung
- Pflichten und Verantwortung aller Beteiligten
- Haftung und Ordnungswidrigkeiten
Die ADR Schein Kosten
Die Kosten für die ADR Schulungsbescheinigung teilen sich in zwei Bereiche auf. So musst du zunächst einmal für den Basiskurs eine Gebühr bezahlen. Wie groß diese ausfällt, ist abhängig davon, bei welchem Anbieter du den Kurs belegst. Die Region kann hier ebenfalls eine Rolle spielen. Mindestens sollten Interessenten aber mit 300 Euro rechnen, bei manchen Anbietern können auch bis zu 600 Euro anfallen. Zu beachten ist dabei, dass der Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, die Kosten für Gefahrgutschulung zu übernehmen. In vielen Fällen erfolgt die Kostenübernahme allerdings trotzdem. Mitunter kannst du dir den Schein von der Agentur für Arbeit finanzieren lassen, wenn du zum Beispiel Aussicht auf eine entsprechende Anstellung hast.
Zusätzlich zu Kursgebühren fallen auch für den ADR Schein selbst Kosten an. Diese werden direkt an das IHK gezahlt und sind daher typischerweise in den Gebühren für den ADR Kurs nicht enthalten. Auch hier gibt es wieder regionale Unterschiede. In der Regel bewegen sich die Kosten im Bereich von 70 bis 100 Euro. Zu beachten ist dabei, dass du die Güterkraftverkehr Prüfung auch wahrnehmen solltest, wenn du dich einmal angemeldet hast. Selbst mit einer Krankschreibung erhalten Teilnehmer oft nur maximal 50 Prozent der Prüfungsgebühr erstattet. Wer unentschuldigt fehlt, bekommt sogar gar kein Geld zurück.
So läuft die ADR Prüfung ab
Bei der ADR Prüfung war es lange Zeit üblich, dass Teilnehmer diese direkt im Anschluss an ihren Kurs in den Räumen des Kursanbieters ablegen konnten. Mittlerweile ist das IHK aber dazu übergegangen, die Prüfung an den eigenen Standorten abzuhalten. Dies bedeutet auch, dass du dich für die Prüfung zur ADR-Bescheinigung noch einmal separat beim IHK anmelden musst. Diese Anmeldung erfolgt in den meisten Fällen über ein Online-Formular und geht relativ einfach von der Hand. Wichtig ist lediglich, dass du die Termine im Auge behältst und die Anmeldung rechtzeitig vornimmst.
Die Prüfung selbst wird rein schriftlich abgelegt und dauert etwa 45 Minuten. Im Falle der Auffrischung erfolgt der Test ebenfalls in schriftlicher Form, jedoch fällt die Dauer mit 30 Minuten etwas kürzer aus.
Personen, welche die Prüfung nicht bestehen, erhalten die Möglichkeit sie einmalig zu wiederholen. Dafür muss man bei manchen IHKs zuvor einen Antrag stellen. Geht die zweite Prüfung ebenfalls schief, schreibt die IHK vor, dass die Person zunächst ein zweites Mal den Basiskurs belegen muss. Erst mit einer erneuten ADR Schulungsbescheinigung darf man sich wieder zur Prüfung anmelden.
Beispielfragen für die ADR Prüfung
Die meisten Fragen bei der Güterkraftverkehr Prüfung werden im multiple-choice-Prinzip gestellt, wobei es typischerweise vier Antwortmöglichkeiten gibt. Von diesen können mitunter auch mehrere korrekt sein. Hier einmal ein paar Beispielfragen, wie sie in der Prüfung für den ADR Schein gestellt werden könnten:
Mit welchen Maßnahmen soll der missbräuchlichen Verwendung von Gefahrengütern entgegengewirkt werden?
A Das Mitführen des Lichtbildausweises
B Gefahrengut wird nur tagsüber transportiert
C zuständige Behörden werden bei der Abfahrt informiert
D Es sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich
Richtige Antwort
A
Welche Gefahr entsteht, wenn ein tiefgekühltes flüssiges Gas austritt?
A Es kann zu einer Dampfwolke kommen
B Das Gas kann explodieren
C Das Gas erwärmt sich
D Die Umgebung kühlt stark und es kann sogar zu Erfrierungen kommen
Richtige Antwort
D
Welche Gefahr geht von einem Stoff der Klasse 4.3 aus?
A Der Stoff ist brennbar
B Der Stoff ist brennbar und ätzend
C Der Stoff entwickelt beim Kontakt mit Wasser giftige Gase
D Der Stoff entwickelt beim Kontakt mit Sauerstoff giftige Gase
Richtige Antwort
C
Was müssen Fahrzeugführer bei Versandstücken mit Ausrichtungspfeilen beachten?
A Das Versandstück muss liegend befördert werden
B Die Pfeile geben einen Hinweis auf die richtige Öffnung
C Die Pfeile haben keine Bedeutung für die Beförderung
D Das Versandstück muss bei der Beförderung nach den Pfeilen ausgerichtet sein
Richtige Antwort
D
Häufig gestellte Fragen zur ADR Prüfung
Für wen ist die ADR Prüfung vorgeschrieben?
Die ADR-Prüfung ist für Fahrer vorgeschrieben, die gefährliche Güter auf der Straße in kennzeichnungspflichtigen Mengen transportieren. Das betrifft also nicht jeden Transport, sondern vor allem Fahrten, bei denen ein Fahrzeug nach ADR entsprechend gekennzeichnet werden muss. Wer solche Gefahrguttransporte durchführen will, braucht die passende Schulung und eine gültige ADR-Schulungsbescheinigung.
Ist die ADR Prüfung eine IHK-Prüfung?
Ja, die ADR-Prüfung ist in Deutschland eine IHK-Prüfung. Du besuchst zunächst eine anerkannte Schulung und legst anschließend die Prüfung bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer ab; nach Bestehen stellt die IHK auch die ADR-Schulungsbescheinigung aus.
Muss ich vor der ADR Prüfung einen Kurs besuchen?
Ja, vor der ADR-Prüfung musst du in der Regel zuerst einen anerkannten Kurs besuchen. Für den erstmaligen Erwerb ist der Basiskurs verpflichtend, für bestimmte Transporte kommen zusätzlich Aufbaukurse dazu, und auch für die Verlängerung ist eine Auffrischungsschulung vorgeschrieben. Erst nach der erfolgreichen Teilnahme an der jeweiligen Schulung kannst du die IHK-Prüfung ablegen.
Wie läuft die ADR Prüfung ab?
Die ADR-Prüfung läuft in der Regel so ab, dass du zuerst einen anerkannten Kurs besuchst und danach die IHK-Prüfung ablegst. Die Prüfung besteht aus Multiple-Choice-Fragen; im Basiskurs sind es typischerweise 30 Fragen mit 45 Minuten Bearbeitungszeit, bei Aufbau- und Auffrischungskursen gelten je nach Kurs andere Umfänge. Bestehst du die Prüfung, erhältst du die ADR-Schulungsbescheinigung; bei Nichtbestehen ist in der Regel eine einmalige Wiederholungsprüfung möglich.
Was ist der ADR Basiskurs?
Der ADR-Basiskurs ist die grundlegende Schulung für Fahrer, die eine ADR-Bescheinigung benötigen. In diesem Kurs lernst du die wichtigsten Regeln für den Gefahrguttransport auf der Straße, also zum Beispiel Pflichten als Fahrer, Sicherheitsvorschriften und den richtigen Umgang mit gefährlichen Gütern. Nach erfolgreicher Schulung und bestandener IHK-Prüfung darfst du damit in der Regel gefährliche Stück- und Schüttgüter transportieren, ausgenommen Klasse 1 und Klasse 7.
Wann brauche ich zusätzlich den Tankkurs?
Den Tankkurs brauchst du zusätzlich, wenn du gefährliche Güter in Tanks transportierst, also nicht nur als Stückgut oder Schüttgut. Das gilt zum Beispiel bei Beförderungen in fest verbundenen Tanks, Aufsetztanks, Tankcontainern, ortsbeweglichen Tanks, MEGC oder Batteriefahrzeugen ab den jeweils maßgeblichen Fassungsgrenzen. Der Basiskurs allein reicht dafür nicht aus; für Tanktransporte ist der Aufbaukurs Tank zusätzlich vorgeschrieben.
Wie lange ist der ADR-Schein gültig?
Der ADR-Schein ist in der Regel 5 Jahre gültig. Damit er verlängert wird, musst du vor Ablauf eine Auffrischungsschulung absolvieren und die entsprechende Prüfung bestehen, sonst verliert die Bescheinigung ihre Gültigkeit.
Muss ich nach Ablauf wieder den Basiskurs machen?
Nein, solange dein ADR-Schein noch gültig ist, reicht für die Verlängerung eine Auffrischungsschulung mit Prüfung aus. Läuft die Bescheinigung aber ab, musst du für einen neuen ADR-Schein in der Regel wieder die Erstschulung mit Basiskurs und Prüfung absolvieren.
Was kostet die ADR Prüfung?
Die Kosten für die ADR-Prüfung liegen meist nur bei der reinen IHK-Prüfungsgebühr und unterscheiden sich je nach IHK leicht. Aktuell liegen sie häufig bei rund 57 bis 59 Euro, zum Beispiel 57 Euro bei der IHK Nord Westfalen und 59 Euro bei der IHK Köln. Wichtig ist aber: Dazu kommen in der Praxis fast immer noch die Kosten für den vorgeschriebenen Kurs, sodass die Gesamtkosten deutlich höher ausfallen können.
Wie bereite ich mich am besten auf die ADR Prüfung vor?
Am besten bereitest du dich auf die ADR-Prüfung vor, indem du zuerst die wichtigsten Inhalte aus dem Basiskurs sauber durcharbeitest und anschließend gezielt mit prüfungsnahen Fragen übst. Besonders hilfreich ist es, typische Themen wie Kennzeichnung, Pflichten des Fahrers, Dokumente, Verhalten bei Unfällen und allgemeine Gefahrgutvorschriften nicht nur zu lesen, sondern aktiv zu trainieren. Mit dem Plakos Onlinetrainer für die ADR-Prüfung kannst du dich genau so vorbereiten: strukturiert lernen, dein Wissen mit Übungsfragen überprüfen und Schwachstellen gezielt verbessern. So gehst du deutlich sicherer und besser vorbereitet in die Prüfung.
Was passiert, wenn ich die ADR Prüfung nicht bestehe?
Wenn du die ADR-Prüfung nicht bestehst, kannst du sie in der Regel einmal ohne erneuten Kursbesuch wiederholen. Viele IHKs lassen diese Wiederholungsprüfung nur innerhalb einer bestimmten Frist zu, zum Beispiel innerhalb von drei Monaten nach der nicht bestandenen Prüfung. Schaffst du auch das nicht oder läuft die Frist ab, musst du für einen neuen Versuch meist wieder den vorgeschriebenen Lehrgang absolvieren.
